Duisburg Hbf: Umbau teurer als erwartet

Die Deutsche Bahn hat bekanntgegeben, dass für den Umbau des Duisburger Hauptbahnhofs nun mindestens 40 Millionen Euro mehr benötigt werden, um die Sanierung und Umgestaltung des Bahnhofs vorzunehmen. 

Erst vor nicht allzu langer Zeit ist der Duisburger Hauptbahnhof bei sehr vielen Menschen in das Gedächtnis zurück gerufen worden, als die Facebook- und Twitter-Seite “Bahnansagen” über eine Ansage im Zug berichtet hat. Dort wurde der Hauptbahnhof mit einem “Lost Place” verglichen. Also einem verlorener Platz bzw. einem verlorenem Gebäude. Wenn man sich den Bahnhof genauer ansieht und keine Menschen an den Bahnsteigen stehen würden, könnte man meinen man wäre an einen solchem “Lost Place”.

Gerade deshalb möchte die Deutsche Bahn im kommenden Jahr den Umbau des Bahnhofs in Angriff nehmen. Die Deutsche Bahn musste das Ausschreibungsverfahren für die Bauleistungen der neuen Verkehrsstation und der wellenförmigen Dachkonstruktion des Duisburger Hauptbahnhofes im November 2018 aufgrund unwirtschaftlicher Angebote aufheben. Mit den eingegangenen Angeboten hätte sich der Kostenrahmen mehr als verdoppelt.

Bis Ende März nächsten Jahres will der Konzern jetzt die Aufträge neu vergeben. Aus einer Vorinformation für die Bauindustrie geht dabei hervor: Für das neue Dach und die neuen Bahnsteige wird die Deutsche Bahn deutlich mehr als die 100 Millionen Euro investieren (müssen). Diese Summe waren sie noch bereit, bei der vorigen, erfolglosen Ausschreibung zu zahlen. Branchenkenner erwarten außerdem weiter über die neu kalkulierten Kosten hinaus weitere massive Mehraufwendungen. Weiter heißt es in der Vorabinformation: “Geschätzter Gesamtwert: Wert ohne MwSt.: 140 Millionen Euro”.

Noch im August betonte ein Bahnsprecher, man könne noch “kein Preisschild nennen” um die erwarteten Gesamtkosten zu beziffern.  Im April 2019 hatte die Bahn mitgeteilt, dass es nochmals “mindestens drei Jahre länger” dauert, bis die Bauarbeiten zur Modernisierung beginnen können. Im dritten Quartal 2022 könne es “bei erfolgreicher Ausschreibung” losgehen sagte man damals. Nun scheint dies ja zu klappen. Die Geplante Fertigstellung ist für frühestens 2028 geplant.
Zur Erinnerung: Als die Deutsche Bahn und der damalige NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) 2012 den “großen Wurf” bekannt gaben, dass Duisburg eine gläserne Welle bekommt, kündigten sie den Baustart für 2017 an, die Fertigstellung für 2020.

Branchenkenner der Bauindustrie, Diplom-Volkswirt Ulrich Knöll, betont klar: “Die 140 Millionen Euro werden nicht reichen.” Denn die Baubranche hat unter Corona gar nicht gelitten und übervolle Auftragsbücher, die Materialkosten sind weiter gestiegen, und Fachkräfte Mangelware. Und beim Neubau der Gleishalle sei der “Kreis der Bieter stark eingeschränkt”, meint Knöll. “Da kommt der normale Mittelständler nicht mit.” Auch die “relativ lange Bauzeit” und die “hohe Komplexität der Arbeiten” betrachtet der Experte als Gründe dafür, dass die Kosten für das Duisburger Großprojekt weiter steigen dürften. Hinzu kommt: Die Bahn steht nach zwei Fehlversuchen und wegen der weiter bröckelnden Gleishalle unter (Zeit-)Druck.

Für die Übergangszeit bis zum Baubeginn hat die DB zahlreiche Maßnahmen geplant, die Verbesserungen für die Kunden mit sich bringen sollen. Aktuell werden immer wieder schadhafte Stellen am Dach behoben. Seit Mai letzten Jahres wurden an allen Bahnsteige neue Sitzbänke und neue Wetterschutzhäuser aufgestellt. Auch Unebenheiten am Bahnsteig werden sporadisch beseitigt.

Maßnahmen vor dem Umbau zum "neuen" Hauptbahnhof.

Passend zum wellenförmigen Architekturentwurf des Daches investiert die DB auch in Sachen Ambiente in den Bahnhof. Mit modernen, wellenförmigen Betonmöbeln, großflächiger Beklebung der Bahnhofsaufbauten, Gestaltungselementen auf den Bahnsteigen und einer interaktiven Infowand über die Modernisierung der Verkehrsstation will die Deutsche Bahn für mehr Aufenthaltsqualität und mehr Farbe in der Gleishalle sorgen.