eScooter-Anbieter „Spin“ verlässt deutschen Markt

Der kalifornische e-Scooter-Anbieter „Spin“ zieht sich aus Deutschland zurück. Auch in NRW war der Mobilitätsanbieter vertreten. Als Grund nannte der Geschäftsführer Ben Bear den radikalen Wettbewerb und die fehlenden Regulierungen in Deutschland und Europa, die dazu führen, dass sich das Geschäft in Deutschland nicht rentiere.

Restguthaben wird ausgezahlt

In einem offenen Brief an seine Mitarbeiter/innen kündigte der Geschäftsführer an, bereits in den kommenden Tagen die e-Scooter von den Straßen in NRW und den Rest des Landes zu entfernen. In einem Info-Newsletter an die Kunden des Anbieters wurde zugesichert, verbleibendes Guthaben zurückzuzahlen.

Die Nutzung der Fahrzeuge war überdurchschnittlich im interkommunalen Vergleich und zeigt, dass der Bedarf vorhanden ist. Dieses Mikromobilitätsangebot bricht nun weg. Vor allem die Nutzung der Scooter auf der sogenannten ‚letzten Meile‘ und zwischen Wesseling und Brühl war und ist eine sehr sinnvolle Ergänzung zum ÖPNV-Angebot.
Rathausmeldung Stadt Wesseling

Fehlende Regulierung sind der Grund für den Rückzug

Laut dem Geschäftsführer in Kalifornien, ist rund ein Viertel der Mitarbeiter von Spin von dem Rückzug in Europa betroffen. Auch einige Teile auf dem US-Markt sind von dem Rückgang betroffen. Den Mitarbeitern werden entsprechende Abfindungspakete angeboten. Solange es in Europa keinen regulierten Markt gebe, konzentriert man sich lieber dort, wo es klare Regeln gibt. „Wir werden uns vollständig auf regulierte Märkte konzentrieren, in denen Städte oder Universitäten ihre Partner im Rahmen offener Ausschreibungen auswählen. Ohne Regulierung sind kaum höhere Erträge zu erzielen.“ Zu den regulierten Märkten zählen etwa die Vereinigten Staaten, England sowie Kanada.

Spin war ein breitaufgestellter Partner

Für viele Kommunen und Städte sowie andere Geschäftspartner kommt der Schritt allerdings überraschend. So haben viele Partner von Spin viel Zusammenarbeit für die Zukunft geplant. Erst im August 2021 hatte man den Berliner Markt auch dank Zusammenarbeit mit „Swobbee“ zu einem weiteren Schritt „Nachhaltiger“ gestaltet. Der Berliner Batterie-Service-Unternehmen stellt seine Infrastruktur aus Batteriewechselstationen zur Verfügung, aus der Spin Mitarbeiter die geladenen Akkus entnehmen und anschließend via Lastenfahrrad verteilen konnten. Das Einsammeln und Ausbringen der E-Scooter zum Aufladen entfielen dadurch – und ermöglichte Spin einen schnellen und unkomplizierten Start mit seinem Service in der Hauptstadt.

Logo des e-Scooter-Anbieters "Spin"

Drei Anbieter dominieren das Geschäft

Die hundertprozentige Tochter des Autoherstellers Ford ist auch nur einer von vielen Anbietern in Deutschland. Auf dem Markt ist die Nachfrage groß. Doch gibt es wie in jeder größeren Branche einige Unternehmen, die den größten Marktanteil haben. Darunter zählt z.B. die Anbieter VOI, Lime, oder TIER . Andere kleinere Anbieter auf dem Europäischen Markt haben es schwerer. Dott, Bolt, Bird und Circ sind zwar auch auf dem wachsenden Markt der Mikromobilität, jedoch noch lange nicht so etabliert wie die drei großen.

e-Scooter für kleine Städte

Spin war ebenfalls in vielen kleineren Städten vertreten, wo die großen Anbieter wenig Potential gesehen haben. Stand Dezember 2021 konnte man Spin in den folgenden Städten in Deutschland nutzen: Berlin-Adlershof, Bonn, Brühl, Castrop-Rauxel, Dortmund, Duisburg, Essen, Frechen, Gelsenkirchen, Hennef, Herne, Lohmar, Mülheim, Neuss, Recklinghausen, Siegburg, Troisdorf, Wesseling und Witten. Ob am Ende aber ggf. genau der „kleine Markt“ in den kleinen Ortschaften zum Rückzug geführt haben, ist nur eine Vermutung.