Verspätungen, Ausfälle und überfüllte Züge – Pendler im Münsterland kennen diese Probleme nur zu gut. Doch welche Bahnlinien sind besonders unzuverlässig?
Bahn-Check: Der aktuelle Qualitätsbericht für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Strecken. Während einige Verbindungen mit hoher Pünktlichkeit überzeugen, sind andere für ihre ständigen Verspätungen und Ausfälle berüchtigt. Besonders der RE7 sorgt regelmäßig für Frust bei Fahrgästen.
Die besten und schlechtesten Bahnlinien im Münsterland
Im Münsterland sind 17 Bahnlinien im Nahverkehr unterwegs, betrieben von verschiedenen Unternehmen. Die besten Werte erreichte im dritten Quartal 2024 die Regionalbahn 64 von Münster nach Enschede (DB Regio). Diese Strecke, obwohl eingleisig und nicht elektrifiziert, überzeugt mit hoher Pünktlichkeit und einer zuverlässigen Betriebsführung.
Am anderen Ende der Skala befindet sich die RB66 von Münster nach Osnabrück, betrieben von der Eurobahn. Mit einer Pünktlichkeitsrate von nur 75,7 Prozent ist sie eine der unzuverlässigsten Verbindungen der Region. Besonders betroffen sind Pendler, die regelmäßig mit Verspätungen und Zugausfällen rechnen müssen.
Der unpünktlichste Zug: RE7 bleibt Sorgenkind
Besonders kritisch ist die Lage auf der Strecke des Regionalexpress 7, der von Krefeld über Münster nach Rheine fährt. Mit einer Pünktlichkeitsrate von nur 50,3 Prozent gehört er zu den unzuverlässigsten Verbindungen im Münsterland. Als Hauptgründe werden Streckenüberlastung, Bauarbeiten und Konflikte mit dem Fernverkehr genannt.
Der Betreiber National Express weist darauf hin, dass vor allem die Streckenführung durch stark frequentierte Bahnknotenpunkte wie Köln und Hamm für Verspätungen sorgt. Zudem sei die Strecke zwischen Neuss und Krefeld durch veraltete Stellwerkstechnik und zahlreiche Bahnübergänge besonders störanfällig.

6. Juni 20245
Qualitätsbericht 2023: Zahl der Zugausfälle steigt auf Rekordhoch
Der Qualitätsbericht 2023 für den Schienenpersonennahverkehr NRW zeigt, dass die Zuverlässigkeit der Regionalzüge und S-Bahnen in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr einen neuen Tiefpunkt erreicht hat. Rund jeder siebte Zug fiel aus, und die Pünktlichkeit blieb ein erhebliches Problem: Etwa 22 Prozent der Züge kamen deutlich verspätet an.
Welche weiteren Linien haben Probleme?
Auch andere Verbindungen im Münsterland kämpfen mit schlechten Pünktlichkeitswerten. Der RE2 von Düsseldorf über Münster nach Osnabrück sowie der RE42 (Mönchengladbach–Essen–Münster) bleiben beide unter einer Pünktlichkeitsquote von 60 Prozent. Laut der Deutschen Bahn ist die hohe Streckenauslastung eine der Hauptursachen. Baustellen und steigende Fahrgastzahlen führen zu zusätzlichen Verzögerungen, insbesondere an zentralen Knotenpunkten wie Essen und Münster.
Die kommenden Bauarbeiten im Raum Bochum für den RRX-Ausbau werden die Situation weiter verschärfen. Vom 28. Februar bis 25. April 2025 müssen viele Züge umgeleitet werden, was den ohnehin stark belasteten Korridor von Essen über Gelsenkirchen nach Münster zusätzlich beansprucht.
Überraschend pünktlich: Die RB67 als Vorzeigestrecke
Während einige Linien mit massiven Verspätungen kämpfen, gibt es auch positive Beispiele. Besonders überraschend ist die Pünktlichkeit der RB67 von Münster über Warendorf nach Bielefeld. Diese von der Eurobahn betriebene Verbindung erreichte eine Pünktlichkeitsrate von 92,5 Prozent – und das trotz vieler unbeschrankter Bahnübergänge, die oft zu Unfällen und Streckenblockaden führen.
Wie steht es um die Zuverlässigkeit der Bahnlinien?
Neben der Pünktlichkeit ist auch die Zuverlässigkeit der Bahnverbindungen ein wichtiger Faktor. Hierbei wird gemessen, wie viele Zugkilometer tatsächlich gefahren wurden und welche Ausfälle es gab. Besonders schlecht schnitten die Eurobahn-Linien RB66, RB67 und RB65 ab. Bei der RB66 fiel fast die Hälfte aller geplanten Zugkilometer aus, bei der RB67 war es ein Drittel.
Als Grund nennt die Eurobahn den Fachkräftemangel, der die gesamte Branche betrifft. Durch Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung mussten Fahrpläne angepasst und Züge gestrichen werden. Allerdings verweist das Unternehmen auf Fortschritte bei der Ausbildung neuer Triebfahrzeugführer: 47 neue Lokführer wurden im Jahr 2024 eingestellt, weitere 54 befinden sich derzeit in der Ausbildung.

12. November 2024
Personalnot im Schienennahverkehr: Lokführermangel in NRW verschärft sich
Der Schienennahverkehr in Nordrhein-Westfalen steht vor einer ernsthaften Herausforderung: Es fehlt an ausgebildeten Lokführerinnen und Lokführern. Aktuelle Zahlen verdeutlichen das Problem.
Welche Linie im Münsterland ist am zuverlässigsten?
Während einige Linien große Probleme haben, gibt es auch Strecken mit sehr hoher Zuverlässigkeit. Die Spitzenplätze belegen die Westfalenbahn und DB Regio. Besonders hervorzuheben sind:
- RE15 (Münster–Rheine–Emden) mit 99 Prozent Zuverlässigkeit
- RE60 (Rheine–Hannover–Braunschweig) mit 98,4 Prozent
- RB64 (Münster–Gronau–Enschede) mit 98,3 Prozent
Diese Verbindungen zeigen, dass ein stabiler Betrieb unter den richtigen Bedingungen möglich ist.
Fazit: Große Unterschiede im Münsterland
Die vollständige Analyse des SPNV im Münsterland zeigt sowohl Licht als auch Schatten. Während einige Linien sehr zuverlässig fahren, sind andere Verbindungen für Pendler eine tägliche Herausforderung. Besonders problematisch sind überlastete Strecken, Baustellen und der Fachkräftemangel. Langfristig können nur Investitionen in die Infrastruktur und eine bessere Planung für Verbesserungen sorgen. Bis dahin bleibt für viele Fahrgäste nur die Geduld – oder der Umstieg auf alternative Verkehrsmittel.