9-Euro-Ticket kommt im Juni für ganz Deutschland

Die Pläne für ein auf drei Monate befristetes vergünstigtes 9-Euro-Ticket für den ÖPNV werden konkreter. In den vergangenen Wochen wurde über das wie, wo und wann diskutiert. Jetzt soll mit dem 1. Juni 2022 endlich ein bundesweiter Starttermin feststehen. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte zuvor den Start für „spätestens 1. Juni“ angekündigt.

Die Idee hinter dem 9-Euro-Ticket ist simpel erklärt: für 90 Tage sollen Pendler in Deutschland für nur 9€ pro Monat Bus und Bahn (Nahverkehr) fahren können. Das Ticket ist Teil des Entlastungspakets der Ampel-Koalition im Zuge der gestiegenen Energiepreise und wurde bereits im März angekündigt. Eine regional beschränkte Gültigkeit sei unpraktikabel, zitierte das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) aus dem Verkehrsausschuss des Bundestags. Demnach ist der Bund bereit, die Kosten von geschätzt 2,5 Milliarden Euro für die dreimonatige Vergünstigung zu übernehmen.

Rechtslage macht den Start erst im Juni möglich

Gegenüber dem RDN sagte SPD-Verkehrsexperte Martin Kröber: „Das 9-Euro-Ticket muss bundesweit gültig sein, sonst benachteiligt es jene Pendlerinnen und Pendler, die über die Grenzen von Bundesländern und Tarifverbünden unterwegs sind.“
Aufgrund der rechtlichen Gestaltung des günstigen Tickets ist erst ab Juni mit diesem Ticket zu rechnen. Gesetze müssen dazu umgeschrieben oder sogar eingeführt werden, und „das benötigt ein wenig Vorlaufzeit“, so Kröber weiter. Entweder am 18. oder am 19. Mai soll dann der Bundestag über einen entsprechenden Gesetzesentwurf abstimmen, am 20. Mai dann der Bundesrat.

Angebot auch für Studierende und Abo-Kunden

Auch bestehende Abo-Kunden sollen von diesem 9-Euro-Ticket profitieren: Pendler und Pendlerinnen sollen die Differenz zwischen den bestehenden Abo-Preis erstattet bekommen oder es soll nur der reduzierte Betrag abgebucht werden. Wie das dann genau funktionieren soll, lies der Bund offen und gibt diese Verantwortung an die zuständigen Verkehrsunternehmen weiter. 
Auch studierende mit einem Semesterticket sollen profitieren. Kröber sagte dem RND: „Auch Studierende, die Semestertickets erworben haben, müssen in den Genuss der Rückerstattung kommen.“ Die günstigen Semestertickets soll es dann jedoch ausschließlich Online im DB Navigator (App) oder am Schalter der Bahn geben. An den Automaten sei dies nicht vorgesehen. In wie weit dies auch auf uns in NRW zutrifft, steht aktuell noch nicht fest, da die DB nicht der alleinige Vertreiber von Semestertickets ist.

Ticket passend für die Ferienzeit

Mit der Einführung im Juni wird das 9-Euro-Ticket auch in den diesjährigen Sommerferien gültig sein. Der früheste Ferienstart ist am 27. Juni in Nordrhein-Westfalen, der späteste Ferienstart am 1. August in Bayern. Urlauber aus dem Freistaat könnten das Ticket für den ÖPNV also zumindest noch für einen Monat nutzen. Dem RND-Bericht zufolge, sollen die Günstig-Tickets online, über die Navigator App der Deutschen Bahn und am Schalter erhältlich sein. Ein Kauf am Automaten sei nicht geplant, obwohl sich der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Ingo Wortmann, zunächst dafür ausgesprochen hatte.

Lindner für schnelleren Start des Tickets

Die Verkehrsunternehmen seien zwar damals von der Idee des 9-Euro-Tickets komplett überrascht worden, sagte Verbundchef Wortmann im März. „Wir hätten uns gewünscht, dass man diese Vorschläge mit uns diskutiert, um einen praktikablen Weg für alle zu finden.“ Allerdings kündigte er an, nun „das Beste“ aus der Situation machen zu wollen. Sowohl Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) als auch Finanzminister Christian Lindner (FDP) setzten bei der Einführung des Neun-Euro-Tickets auf Tempo. Im Interview mit der RTL-Reporterin Miriam Pauli sagte Lindner in der vergangenen Woche, dass er sich auch Maßnahmen hätte vorstellen können, die keine gesetzliche Grundlage erfordern würden. Dann hätte man nicht bis Juni warten müssen und ein „schnellstmöglicher“ Starttermin sei möglich gewesen.