Abellio: Rückzugspläne weiter offen

Am gestrigen Freitag haben sich die Aufgabenträger Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), der Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) und der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) um den Weiterbetrieb von Abellio beraten. Wie es weitergeht, wurde jedoch nicht abschließend geklärt

Angebot von Abellio wird geprüft

Abellio hatte bereits Anfang Oktober ein Angebot gegenüber den Aufgabenträger ausgearbeitet und dieses vorgelegt gehabt. In diesem Angebot erklärt Abellio, dass man „im Falle einer Einigung einen dreistelligen Millionenbetrag zur langfristigen Sicherung“ die Verkehre zur Verfügung stellen will.
Die Aufgabenträger müssen dieses Angebot unter Berücksichtigung der juristischen und wettbewerbsmäßigen Aspekte nun prüfen. Eine Entscheidung über die Annahme oder Anpassung des Angebots wurde am Freitag noch nicht getroffen. Auf nachfrage der Deutschen Presseagentur (dpa) habe man „keine finale, einstimmige Entscheidung“ treffen können. Aus Sicht der Verkehrsverbünde wünscht man sich mehr Engagement des Unternehmens. Für weitere Gespräche sei man jedoch offen.

Wir setzen weiterhin auf eine konstruktive Lösung mit Abellio, sind aber der Auffassung, dass der Gesellschafter des Unternehmens seinen Gestaltungsspielraum noch nicht ausgeschöpft hat.
Mitteilung der Auftraggeber gegenüber der dpa
Könnte bald von einem anderen Betreiber gefahren werden: Linien des Rhein-Ruhr-Express (RRX)

Mitarbeiter der Westfalenbahn-Tochter protestieren

Die Mitarbeiter des Tochterunternehmens „Westalenbahn“ haben mittlerweile die Geduld verloren und fordern nun vor dem Insolvenzdurchlauf eine Abspaltung zum Abellio-Konzern. „Wir wollen nicht mehr Teil des Konzerns Abellio sein!“, heißt es in einem offenen Brief des Betriebsrats an den Gläubigerausschuss vom 2. November. Unter der Betreffzeile „Die Westfalenbahn – (k)ein Abellio-Unternehmen“ gerät der offene Brief zur schonungslosen Abrechnung des Betriebsrats mit dem Mutterkonzern Abellio in Berlin. Zuerst hatte die 🔗 NOZ (Neue Osnabrücker Zeitung) davon berichtet.

Abellio bringt Westfalenbahn in Schieflage

Die Westfalenbahn GmbH wurde erst 2017 vom deutschen Abellio-Unternehmen aufgekauft und gehört seitdem zum Imperium des Unternehmens. Vor der Übernahme durch Abellio verzeichnete das Unternehmen 2016 noch einen Gewinn von über 6,5 Millionen Euro. Der Finanzvorstand des Mutterkonzerns hatte gegenüber dem „NRC Handelsblad“ bereits im Herbst seinem Frust über das defizitäre Deutschlandgeschäft Luft gemacht. Bei etwa einer halben Milliarde Euro Jahresumsatz auf 50 Linien habe man im Jahr 2019 rund 32,7 Millionen Euro Verlust gemacht. Laut dem Betriebsrat der Westfalenbahn hat man früh nach der Übernahme angefangen, bestehende Strukturen und Abläufe zu ändern, welches schnell zu Problemen führte. 

Was wir aufgebaut haben, wurde so zunichte gemacht. In der Abellio-Gruppe haben wir keine realistische Zukunftsperspektive. Wir waren vor der Übernahme eines der besten Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland. Auf uns konnte man sich verlassen. Die Westfalenbahn war ein Name, auf den man als Arbeitnehmer:in stolz sein konnte! Durch die finanzielle Lage des Konzerns wurden wir nun in eine Insolvenz gezwungen.
Brief des Betriebsrates der Westfalenbahn (Auszug; gekürzt)

Übernahmeangebot eines Dritten liegt vor

Die Belegschaft hat Interesse daran, das Unternehmen wieder in den alten Glanz zu verhelfen. Nur muss sich da was tun. Der Betriebsrat betont, es gäbe bereits Interesse eines Dritten, die Firma aus dem Abellio-Kosmos auszulösen. Ohne genaue Details zu nennen, schreibt der Betriebsrat, es gäbe ein ernstgemeintes und realistisches Kaufinteresse eines Dritten. Der Betriebsrat fordert den Gläubigerausschuss nun auf, dieses Angebot auch dem Mutterkonzern Nederlandse Spoorwegen vorzulegen. Um ihre Forderungen und Wünsche mehr Nachdruck zu verleihen, haben die Beschäftigten Unterschriften gesammelt. 222 aller 297 Mitarbeiter haben unterschrieben, nicht mehr Teil vom Abellio-Unternehmen sein zu wollen. Spannende Zeiten stehen also weiter bevor.