Duisburg Hbf: Umbau teurer – Baustart im März 2022

Die Modernisierung des Duisburger Hauptbahnhofs wird zwar fast doppelt so teuer wie ursprünglich geplant, jedoch beginnen die ersten Arbeiten bereits in diesem März. 

Nicht nur Pendler und Bahnreisende aus Duisburg kennen den Anblick, auch in sozialen Netzwerken machen immer wieder Fotos der maroden Gleishalle die Runde. Die Außenfenster sind mit Klebeband fixiert, das Dach über den Bahnsteigen ist löchrig und mit einem Fangnetz versehen, um runterfallende Dachstücke zu verhindern. Eins ist jedoch allen klar: die Gleishalle ist 90 Jahre alt und dringend sanierungsbedürftig.  Vor drei Jahren hätten die Bauarbeiten am Hauptbahnhof der Ruhrmetropole beginnen sollen. Aufgrund von Problemen mit der Auftragsvergabe kam es jedoch immer wieder zu Verzögerung der Umsetzung der Bauplänen.

Nun steht jedoch fest: noch in diesem März sollen die ersten Vorbereitungen beginnen, um „die Welle“ zu implementieren. Ab August soll es dann laut Presseangaben der Deutschen Bahn „richtig los“ gehen. Stück für Stück soll der Hauptbahnhof ein neues Dach bekommen – eine moderne, wellenförmige Konstruktion aus Glas – „Duisburg macht die Welle“. Zudem sollen die Bahnsteige erneuert werden, wobei das Schritt für Schritt erfolgen soll, damit nicht der ganze Bahnhof gesperrt werden muss.

Der Duisburger Hauptbahnhof wird von Klebeband festgehalten. Foto: Kathrin Migenda

So wird das Projekt „Duisburger Hauptbahnhof“ ein weiteres Mammutprojekt der Bahn, das sich nach aktuellen Planungen über sechs Jahre hinziehen wird. 2028 sollen die Arbeiten dann komplett abgeschlossen sein. Die geplanten Kosten belaufen sich nach den jüngsten Angaben der Bahn auf 260 Millionen Euro – anfänglich waren 140 Millionen Euro geplant gewesen. Als Grund für den Anstieg nennt die Bahn die immensen Preissteigerungen im Baugewerbe. Finanziert wird der Bahnhofs-Umbau von Bund, Land und der Deutschen Bahn.

Ursprünglicher Beitrag

vom 15. Oktober 2021

Die Deutsche Bahn hat bekanntgegeben, dass für den Umbau des Duisburger Hauptbahnhofs nun mindestens 40 Millionen Euro mehr benötigt werden, um die Sanierung und Umgestaltung des Bahnhofs vorzunehmen. 

Erst vor nicht allzu langer Zeit ist der Duisburger Hauptbahnhof bei sehr vielen Menschen in das Gedächtnis zurück gerufen worden, als die Facebook- und Twitter-Seite „Bahnansagen“ über eine Ansage im Zug berichtet hat. Dort wurde der Hauptbahnhof mit einem „Lost Place“ verglichen. Also einem verlorener Platz bzw. einem verlorenem Gebäude. Wenn man sich den Bahnhof genauer ansieht und keine Menschen an den Bahnsteigen stehen würden, könnte man meinen man wäre an einen solchem „Lost Place“.

Gerade deshalb möchte die Deutsche Bahn im kommenden Jahr den Umbau des Bahnhofs in Angriff nehmen. Die Deutsche Bahn musste das Ausschreibungsverfahren für die Bauleistungen der neuen Verkehrsstation und der wellenförmigen Dachkonstruktion des Duisburger Hauptbahnhofes im November 2018 aufgrund unwirtschaftlicher Angebote aufheben. Mit den eingegangenen Angeboten hätte sich der Kostenrahmen mehr als verdoppelt.

Bis Ende März nächsten Jahres will der Konzern jetzt die Aufträge neu vergeben. Aus einer Vorinformation für die Bauindustrie geht dabei hervor: Für das neue Dach und die neuen Bahnsteige wird die Deutsche Bahn deutlich mehr als die 100 Millionen Euro investieren (müssen). Diese Summe waren sie noch bereit, bei der vorigen, erfolglosen Ausschreibung zu zahlen. Branchenkenner erwarten außerdem weiter über die neu kalkulierten Kosten hinaus weitere massive Mehraufwendungen. Weiter heißt es in der Vorabinformation: „Geschätzter Gesamtwert: Wert ohne MwSt.: 140 Millionen Euro“.

Noch im August betonte ein Bahnsprecher, man könne noch „kein Preisschild nennen“ um die erwarteten Gesamtkosten zu beziffern.  Im April 2019 hatte die Bahn mitgeteilt, dass es nochmals „mindestens drei Jahre länger“ dauert, bis die Bauarbeiten zur Modernisierung beginnen können. Im dritten Quartal 2022 könne es „bei erfolgreicher Ausschreibung“ losgehen sagte man damals. Nun scheint dies ja zu klappen. Die Geplante Fertigstellung ist für frühestens 2028 geplant.
Zur Erinnerung: Als die Deutsche Bahn und der damalige NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) 2012 den „großen Wurf“ bekannt gaben, dass Duisburg eine gläserne Welle bekommt, kündigten sie den Baustart für 2017 an, die Fertigstellung für 2020.

Branchenkenner der Bauindustrie, Diplom-Volkswirt Ulrich Knöll, betont klar: „Die 140 Millionen Euro werden nicht reichen.“ Denn die Baubranche hat unter Corona gar nicht gelitten und übervolle Auftragsbücher, die Materialkosten sind weiter gestiegen, und Fachkräfte Mangelware. Und beim Neubau der Gleishalle sei der „Kreis der Bieter stark eingeschränkt“, meint Knöll. „Da kommt der normale Mittelständler nicht mit.“ Auch die „relativ lange Bauzeit“ und die „hohe Komplexität der Arbeiten“ betrachtet der Experte als Gründe dafür, dass die Kosten für das Duisburger Großprojekt weiter steigen dürften. Hinzu kommt: Die Bahn steht nach zwei Fehlversuchen und wegen der weiter bröckelnden Gleishalle unter (Zeit-)Druck.

Für die Übergangszeit bis zum Baubeginn hat die DB zahlreiche Maßnahmen geplant, die Verbesserungen für die Kunden mit sich bringen sollen. Aktuell werden immer wieder schadhafte Stellen am Dach behoben. Seit Mai letzten Jahres wurden an allen Bahnsteige neue Sitzbänke und neue Wetterschutzhäuser aufgestellt. Auch Unebenheiten am Bahnsteig werden sporadisch beseitigt.

Maßnahmen vor dem Umbau zum "neuen" Hauptbahnhof.

Passend zum wellenförmigen Architekturentwurf des Daches investiert die DB auch in Sachen Ambiente in den Bahnhof. Mit modernen, wellenförmigen Betonmöbeln, großflächiger Beklebung der Bahnhofsaufbauten, Gestaltungselementen auf den Bahnsteigen und einer interaktiven Infowand über die Modernisierung der Verkehrsstation will die Deutsche Bahn für mehr Aufenthaltsqualität und mehr Farbe in der Gleishalle sorgen.