So ist NRW an den ÖPNV angebunden – Interaktive Karte

Wie dicht ist der öffentliche Nahverkehr in den Städten und Gemeinden in NRW getaktet? Wie oft wird eine Haltestelle bedient?  Darüber informiert eine neue Web-Anwendung des Regionalverbandes Ruhr (RVR). Die Online-Karte stellt die stündlichen Fahrten aller ÖPNV-Haltestellen im Ruhrgebiet dar. Insgesamt wurden 9.826 Haltestellen auf 1.038 Linien erfasst.

Die Bilanz des 9-Euro-Tickets klingt beeindruckend: 52 Millionen verkaufte Tickets und geschätzt 1,8 Millionen Tonnen CO2-Einsparung. Das dieser Erfolg ohne Nachfolger bleiben sollte, war keine Option. So bieten die Verkehrsvebünde in NRW bis Jahresende wieder eine Abo-Aktion an, wo Abo-Kunden am Wochenende und in den Ferien durch NRW ohne zusätzliche Kosten fahren können und noch eine weitere Person oder ein Rad mitnehmen können. Doch auch die Bundesregierung plant nun zum kommenden Jahr ein Nachfolger des Billigtickets auf den Markt zu bringen: das 49-Euro-Ticket.

Die Verantwortlichen des Regionalverbands Ruhr haben sich nun einem neuen Projekt gewidmet: die Darstellung aller Haltestellen im Ruhrgebiet mit der jeweiligen Taktung. So ist für jeden einsehbar, wie gut eine Haltestelle an die umliegenden Regionen angebunden ist. Der WDR ging noch ein Schritt weiter: die Kollegen haben nicht nur das Ruhrgebiet erfasst und ausgewertet, sondern gleich das ganze Bundesland. 

Der Preis ist nach Angaben des Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) nicht alles, was auch zählt ist die Anbindung. Laut VDV konnten oder wollten etwa viele Menschen auf dem Land das 9-Euro-Ticket gar nicht erst verwenden. Aus diesem Grund hat sich der WDR dieses Thema angenommen. 

“Die Rheinachse und das Ruhrgebiet sind mit der wahrscheinlich höchsten Zugdichte deutschlandweit gut angebunden”, weiß Dr. Bastian Kogel vom Verkehrswissenschaftlichen Institut der RWTH Aachen. Anders sieht’s im Gegensatz dazu im Münsterland, Siegerland, Sauerland oder auch in der Eifel aus. Dort entstehen zwar gerade auch mit Unterstützung des Landes Schnellbuslinien. “Aber wer nicht genau an diesen Achsen lebt, ist dann doch wieder auf den Pkw angewiesen”, ergänzt der Verkehrswissenschaftler.

Dass auch die Nähe zu touristischen Zielen kein Garant ist für gute Anbindung, zeigt etwa die Haltestelle “Nideggen Schmidt Kapelle” nahe des Rursees. Der WDR-Reichweiten-Checker zeigt: zwischen 6 und 20 Uhr gibt es hier im Schnitt 0,3 Abfahrten pro Stunde – an mehr als 94 % aller Haltestellen in NRW gibt es mehr Abfahrten als in der Nähe des beliebten Rursees.

Der WDR wollte nun aber genau wissen, welche Ziele mit einer Haltestelle erreicht werden und wie viele Abfahrten eine Haltestelle oder Bahnhof haben. Dazu haben sie Daten zu allen knapp 47.000 Haltestellen in NRW ausgewertet. Herausgekommen ist der WDR-Reichweiten-Checker. In der interaktiven Karte des WDR sieht man auch, wie unterschiedlich die Regionen sich unterscheiden. 

Reisezeit ins Stadtzentrum des nächsten Mittel- oder Oberzentrums in Minuten, von unter 10 Minuten (dunkelblau) bis über 50 Minuten (dunkelrot)
wdr-reichweiten-checker
WDR-Reichweiten-Checker

Welche Haltestellen sind in einer Stunde erreichbar?

So ist NRW an den ÖPNV angebunden – Interaktive Karte

Bundesweit erreichen rund 82 Prozent der Bevölkerung das nächste Mittel- oder Oberzentrum (“zentrale Orte”) innerhalb von 30 Minuten Reisezeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Das hat das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) errechnet. Wer es schneller schafft, ist besser angebunden, wer länger braucht, entsprechend schlechter. Für NRW zeigt sich so deutlich, wo die Menschen in NRW schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln angebunden sind. So benötigen etwa die Menschen im Norden NRWs rund um Münster teilweise 40 bis über 50 Minuten (rötlich in der Karte), um mit dem Öffentlichen Verkehr ins nächste Ober- oder Mittelzentrum zu fahren. Ähnlich sieht es rund um Schloß Holte-Stukenbrock oder nördlich von Gütersloh aus. Auch im Süden NRWs – etwa in Blankenheim oder Nideggen – werden nach Angaben des BBSR 50 und mehr Minuten benötigt, um “zentrale Orte” zu erreichen. 

“Die Infrastruktur der Bahn muss als Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs ausgebaut werden”, erklärt Bastian Kogel von der RWTH Aachen – und das nicht nur in den Zentren. Gerade in weniger dicht besiedelten Gebieten müsse der Schienenverkehr in der Fläche ausgebaut werden. In der Region Aachen funktioniere das schon gut: Dort wurde etwa die sogenannte Ringbahn reaktiviert. Sie verbindet den Stolberger Hauptbahnhof, Alsdorf und Eschweiler mit Herzogenrath. Die Strecke umfährt damit das Oberzentrum Aachen in einem weiten Bogen und bildet zusammen mit anderen Strecken einen Ring um die Stadt. Direkt ins Zentrum Aachen soll hingegen in Zukunft eine neue Strecke führen: die Regiotram. Erste Ideen dazu wurden kürzlich vorgestellt, entschieden ist das Projekt aber noch nicht. Fällt die Entscheidung positiv aus, soll die erste Bahn in rund zehn Jahren rollen.

Grundsätzlich müssen die Angebote nach Ansicht der Verkehrswissenschaftler noch flexibler und digitaler werden, etwa durch smarte Bedienformen, wie sie beispielsweise in Aachen oder Düsseldorf schon praktiziert werden. Hier sind Leih-Fahrräder, Autos, E-Scooter oder klassisch das Busticket über eine einzige App buchbar.
Zudem bieten die örtlichen Verkehrsbetriebe in Aachen (ASEAG) in einigen Gebieten einen sogenannten “NetLiner” an, einen Personentransporter ohne festen Fahrplan und Linienweg. Haltepunkte ergeben sich jeweils flexibel aus den Wünschen der Fahrgäste, die vorher aber angeben werden müssen, damit die Route geplant werden kann. Auch in anderen Städten im Ruhrgebiet, in Köln oder in Münster gibt es solche Angebote bereits. 

10. Januar 2022

CleverShuttle stellt Fahrbetrieb in Düsseldorf ein

Der Ridepooling-Anbieter CleverShuttle stellt in Düsseldorf den Betrieb ein. Ab 14. Januar können Fahrgäste dort keine Fahrten mehr buchen. Auslöser für den Schritt sind laut Unternehmensangaben pandemiebedingte, wirtschaftliche Gründe sowie eine strategische Neuausrichtung des Gesellschafters GHT Mobility GmbH.

Aber nicht nur Busse “auf Abruf” (on Demand), auch Taxen können etwa durch neue digitale Lösungen verstärkt in den Nahverkehr eingebunden werden: Dabei kann das Taxi zwar von einem Fahrgast bestellt werden, auf dem Weg zum Zielort aber auch noch weitere Fahrgäste aufnehmen, die eine ähnliche Route zu ihrem Ziel haben. “Ridepooling” nennt sich diese Kombination von klassischen Taxidiensten und Fahrgemeinschaft.

Ob Schienenverkehr oder On-Demand-Verkehr: Das beste Konzept kann nicht funktionieren, wenn es von den Fahrgästen nicht angenommen wird. “Der Nutzer muss positive Erfahrungen machen, um auch langfristig zum ÖPNV zu wandern”, weiß Verkehrswissenschaftler Bastian Kogel. Deshalb wäre neben der Pünktlichkeit des Systems auch eine einfache Nutzung elementar. Ein einfaches Ticketsystem wäre hier für ganz NRW denkbar. Zwar hat dies NRW schon nun mit dem “eezy.nrw”-Tarif gemacht, wo in Luftkilometern abgerechnet wird, egal wo man in NRW unterwegs ist, doch damit ist aktuell nur der ÖPNV abgebunden. Keine Leihfahrräder, keine e-Scooter oder On-Demand-Angebote.