NRW will “Bahnland Nummer Eins” werden

Schneller, direkter, komfortabler und zuverlässiger mit der Bahn von A nach B: Das Verkehrsministerium des Landes hat gemeinsam mit den Aufgabenträgern für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) und der Deutschen Bahn eine landesübergreifende Zielnetzkonzeption für den Schienenpersonennahverkehr entwickelt, die künftig einen aus Fahrgastsicht “idealen Fahrplan” ermöglicht.

Neu- und Ausbau sowie Elektrifizierung und Reaktivierung

Um den Nahverkehr in NRW für die Menschen einfacher zugänglich, leistungsstärker, verlässlicher und sicherer zu machen, stellt die Landesregierung im Rahmen ihrer 2019 gestarteten ÖPNV-Offensive bis zum Jahr 2032 Mittel in Höhe von bisher rund 4 Milliarden Euro bereit. Die Mittel stehen u.a. für Neu- und Ausbauvorhaben, Elektrifizierungen und Reaktivierungen im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) sowie für die Finanzierung von Leistungsmehrbestellungen zur Verfügung. Land und SPNV-Aufgabenträger wollen damit schnellere, direktere, komfortablere und zuverlässigere Angebote schaffen. 

Enge Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn - Deutschlandtakt als Vorbild

Zur Steuerung des Angebotsausbaus hat das Verkehrsministerium in enger Zusammenarbeit mit den Zweckverbänden in ihrer Funktion als SPNV-Aufgabenträger und der DB Netz sowie der DB Station & Service eine Zielnetzkonzeption erstellt, um einen aus Fahrgastsicht “idealen” zukünftigen Fahrplan zu entwickeln. Für die gute Zusammenarbeit ist sowohl den SPNV-Aufgabenträgern (VRR, NWL, NVR) als auch der Deutschen Bahn als hauptsächlicher Infrastruktureigentümer zu danken.
Der “Deutschlandtakt”, der für 2040 geplant ist, fungiert dabei nicht nur als Vorbild, sondern wurde vom Ministerium für Verkehr in Nordrhein-Westfalen als Ausgangsbasis zur Erstellung der Zielnetzkonzeption herangezogen, um nicht nur eine landesweite, sondern darüber hinaus eine grenzüberschreitende betriebliche Planung “aus einem Guss” zu ermöglichen. Diese soll mit den ambitionierten und zukunftsorientierten Zielen der Bundesregierung zur Etablierung eines Deutschlandtaktes “Hand-in-Hand” gehen.

Mehrstufiger Plan

Aufgrund der langen Planungs- und Bauzeiten wurden die Maßnahmen in mehrere Zwischenstufen aufgeteilt. Betrachtet werden dabei die Angebote im Jahr 2032 sowie im Jahr 2040. Das Konzept enthält ein breites Spektrum von Verbesserungen im ganzen Bundesland – von kleineren Maßnahmen wie Weichenerneuerungen bis hin zu Großvorhaben. 

  • Der Aufbau neuer S-Bahn-Netze im Münsterland (S-Bahn-Münsterland) und in Ostwestfalen-Lippe (S-Bahn-OWL) mit neuen Haltestellen, neuen Direktverbindungen, beschleunigten Fahrzeiten und einer Verdichtung des Taktangebots.
  • Die Schaffung neuer Schienenverkehrsangebote durch die Reaktivierung von ehemaligen Bahnstrecken. Zum Beispiel:
    NWL: Teutoburger Wald-Eisenbahn (TWE) (Harsewinkel – Gütersloh – Verl)
    NWL: Westfälische Landes-Eisenbahn (WLE) (Münster – Sendenhorst)
    VRR: Walsumbahn (Duisburg – Wesel)
    VRR: Ratinger Weststrecke (Duisburg – Ratingen – Düsseldorf)
    NVR: Euregio-Verkehrsschienennetz (EVS)-Strecken (Stolberg – Eupen und Alsdorf – Baesweiler)
  • Insgesamt zwölf Kommunen erhalten einen Anschluss an den SPNV, die derzeit noch gar nicht angebunden sind (bis 2032).
  • Errichtung neuer Haltestellen. Allein entlang der Reaktivierungsstrecken sollen 67 neue Stationen errichtet werden. Hinzu kommen 29 neue Stationen an Bestands- und Ausbaustrecken. 
  • Die Elektrifizierung von Strecken für einen klimafreundlichen und dichteren Betrieb, unter anderem auf der Eifelstrecke und der Voreifelbahn. Aber auch die Schaffung von Voraussetzungen für einen batterieelektrischen Betrieb, beispielsweise im Niederrhein-Münsterland-Netz oder dem Netz nördliches Westfalen.
So sieht das Konzept der "S-Bahn Münsterland" aus.

Dichtere Taktung & schneller ans Ziel

Neben den bereits genannten geplanten Neuerungen, soll auch eine Verdichtung des Taktangebotes und die damit einhergehenden Kapazitätsausweitungen auf folgenden Strecken erfolgen:

  • Neuss – Düsseldorf – Wuppertal
    mit zwei S-Bahn-Linien jeweils im 15- Minuten-Takt
  • Köln – Horrem – Bedburg
    Verdichtung vom 30-Minuten-Takt auf 20-Minuten-Takt mit zusätzlichen Halten zwischen Köln-Ehrenfeld und Horrem
  • S-Bahn-Stammstrecke Münster (MS Zentrum Nord – Münster Hbf – MS-Hiltrup)
    von heute drei auf künftig sechs Verbindungen je Stunde
  • Paderborn – Holzminden
    Verdichtung vom 60-Minuten-Takt auf 30-Minuten-Takt

Zudem will man die Strecken weiter Ausbauen bzw. modernisieren, damit die Züge schneller fahren können. Somit würden folgende Linien von schnelleren Fahrten profitieren:

LinieStreckeZeitersparnis
RB 37Düsseldorf – Remscheid7 Minuten
RE 9Köln – Siegen7 Minuten
RE 45Bochum – Haltern10 Minuten
RE 51Dortmund – Dülmen11 Minuten

Erstmalig Gesamthaftes Konzepft für ganz NRW

Durch dieses erstmalig gesamthafte Konzept für ganz Nordrhein-Westfalen kann landesweit der Schienenverkehr enorm gestärkt werden, die Angebote signifikant verbessert und besser aufeinander abgestimmt werden. Der dafür erforderliche Ausbau der Infrastruktur ist auf Basis der einzelnen Angebotskonzepte abgeleitet und zeigt entsprechende Abhängigkeiten auf. Damit ist auch für weitere landesweite Fragestellungen wie die Digitalisierung der Infrastruktur, die langfristige Entwicklung der Bahnsteigkapazitäten oder die Finanzierung des Betriebs eine wesentliche Planungsbasis geschaffen.

Kosten werden vom Verkehrsministerium nicht genannt

Wie teuer das ganze Vorhaben des Verkehrsministeriums sein soll, ist bisher unklar. Doch man kann sich eine kleine Milchmädchenrechnung ableiten: aus informellen Kreisen des Verkehrsministeriums plant man ein Budget von rund 40 Milliarden Euro ein. Davon gehen zwei Milliarden Euro allein auf das Konto des RRX-Projekts. Finanzielle Unterstützung hofft man daher in Düsseldorf von der Bundesregierung. Denn das angestrebte Ziel, Emissionen zu reduzieren, ist auch eins der Ampel-Koalition in Berlin. 

Veröffentlichung des Plans kurz vor Landtagswahl: Kritik von SPD und Grüne

Die Grünen legen zwar am Plan an sich keinen Widerspruch ein, sondern begrüßen dieses Vorhaben. Doch Kritik gibt es dennoch. Zusammen mit der SPD (beide Opposition) bemängeln die Parteien das wirkliche Interesse an diesem Vorhaben. “Jetzt wird auf den letzten Drücker kurz vor den Landtagswahlen ein Plan vorgelegt mit Maßnahmen, die eigentlich schon lange geplant und umgesetzt sein müssten”, sagte der verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Arndt Klocke gestern im Landtag. 

Arndt Klocke (Grüne) übt zusammen mit der SPD Kritik an den "Idialfahrplan".

Gleichzeitig schlägt der in Bad Oeynhausen geborene Politiker vor, nicht so lange zu warten, sondern schon jetzt zu handeln. Als Beispiel nannte er zusätzliche Express-Linien mit Bussen, die kleinere Orte miteinander Verbinden bzw. an große Städte anbinden. Der SPD-Politiker und Vizefraktionschef meint, dass das Vorhaben des Verkehrsministerium  “kurz vor Toresschluss” zur Landtagswahl im Mai “rausgehauen” wurde. 

"Nahverkehr NRW" begrüßt die Idee

Als CDU möchte man nach der Wahlniederlage in NRW zur Bundestagswahl wohl wieder Wähler zurückgewinnen. Ob das jedoch mit einem so teuren und nicht ganz zu Ende gedachten Plan funktioniert, werden wir am 15. Mai zu den Landtagswahlen sehen.  Wir zumindest freuen uns, wenn der Nahverkehr in NRW endlich wieder mehr Beachtung bekommt, und nicht mehr Stiefmütterlich behandelt wird.